Die Brotklappe im Juni

Liebe Freundinnen und Freunde der Brotklappe,

monatelang standen sie da draußen auf der Straße. Haben ausgeharrt und durchgehalten in der Hoffnung, irgendwann, in naher Zukunft, wieder eine Rolle spielen zu können. Zugegeben, wir hatten sie schon fast vergessen. Dabei waren sie doch einst die Bretter, die unsere Welt bedeuteten, die uns Halt gaben und unsere Kaffeetassen trugen, die uns zusammenbrachten auf einen Schwatz oder eine flüchtige Begegnung. Die uns magisch anzogen und verweilen ließen, obwohl uns die Eile eigentlich vorbeitragen sollte. Wie oft hieß es da: Na gut, fünf Minuten, aber dann muss ich los! 
Sie sahen eilige Gestalten grußlos ein- und aus- und vorbeigehen. Sie wurden gemieden, waren sogar verboten! Doch sie blieben standhaft und werden nun belohnt.
Oder besser gesagt, wiederbelebt: Unsere Bänke, Tische und Stühle sind ab sofort wieder benutzbar. Lasst Euch wieder nieder. Noch nicht ganz so frei wie einst, aber immerhin. Die Außengastro ist auch bei uns eröffnet! 
Natürlich auch zur Pizza Night, die im Juni jeden Freitag zum Feiertag machen wird. Vielleicht laufen dort auch unsere Lieblingssongs des Monats, die wir für Euch auf unserer Juni Playlist gesammelt haben.
Und wenn Ihr jemals gedacht habt, die paar Brote, die bekomme ich auch noch geschmiert, dann lasst Euch aus dem Alltag des Stullenmachers Rogerio erzählen und bekommt Einblick in seinen langen Weg von Recife in Brasilien bis nach Weimar im Interview des Monats.

Unsere Bänke und Stühle und wir freuen uns auf Euch in der Brotklappe!

 
 
Immer wieder PIZZA NIGHT

Es geht weiter mit Pizza am Feitagabend. Einfach vorbestellen bis Mitternacht vorher oder vorbeikommen und hoffen, dass noch etwas da ist.
Jetzt könnt ihr sie auch auf dem Frauenplan essen, wenn ihr nicht mehr als ein Haushalt und zwei Begleitpersonen seid...

Vorbestellen unter
pizza@brotklappe.de
 
Das Comeback des Monats 1


Lemon Curd Tarte

Mürbeteigboden mit selbst hergestellter frischer Zitronencremefüllung

Demnächst in unserem Sommersaortiment.
 
 
Das Comeback des Monats 2

Ab sofort könnt ihr wieder spontan auf unseren Stühlen und Bänken Platz nehmen. Ihr müsst Euch nur registrieren über die Luca-App oder handschriftlich auf den ausliegenden Zetteln. Zusammenkommen dürfen ein Haushalt plus zwei Personen. Wir bitten, Platz zu nehmen!
 
Unsere Songs des Monats Juni!

Da machen wir jetzt eine Tradition draus: Jeden Monat unsere aktuellen Lieblingslieder in einer Playlist. Für uns die optimale Backzutat. Lasst sie Euch schmecken.

 
 
 
Interview mit Rogerio Santos,
Stullenmacher in der Brotklappe
Das Brot hat ihn nicht nach Weimar gezogen, das gibt er offen zu. Die Stadt hat für ihn andere Qualitäten zu bieten. Er ist Bauingenieur, Barista, Koch, Tellerwäscher, Kohlenhydratvermeider und aktuell Stullenmacher in der Brotklappe. Wenn das keine Grundlage ist für ein spannendes Interview mit Rogerio Santos aus Recife, der 1,6 Millionen Küstenstadt im Nordosten Brasiliens. 


 

Rogerio, was ist Deine Aufgabe in der Brotklappe?
 
Ich habe angefangen an der Spülmaschine und bin nun verantwortlich für die Stullen. Das geht sehr früh los. Ich bin meistens so ab 6:30 Uhr dort und schneide Tomaten, Gurken, Karotten usw.



Im Schnitt sind es 100 - 120 Stullen, die ich pro Tag mache.

 
Wieviel Stullen kommen da zusammen an einem Tag?
 
Das kommt ein bisschen drauf an, wie groß der Andrang ist. Im Schnitt sind es so 100 bis 120 Stullen, die ich pro Tag mache.

 
Wie kommt es, dass Du in Weimar lebst?
 
Ich mache hier meinen Master in Digital Engeneering. Das ist ein Teilgebiet des Bauingenieurwesens. Das habe ich in Brasilien studiert. Und nun will ich mich hier spezialisieren.

 
Dann schauen wir kurz zurück: Wie war Dein Weg von Brasilien bis nach Weimar?
 
Geboren bin ich in Recife. Das ist eine recht große Hafenstadt im Nordosten Brasiliens. Den einen oder anderen vielleicht bekannt als Shark Land, als Hotspot für Haiattacken (lacht). Ich bin der Älteste unter meinen Geschwistern, habe noch zwei Schwestern und einen Bruder. Dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, war auf der Uni und habe Bauingenieurwesen studiert. 2015, mit 26, verließ ich meine Heimat zum ersten Mal und bin nach Irland gezogen, um dort Englisch zu lernen. Das war gar nicht so unkompliziert, denn das Englisch, dass ich dort in der Schule gelernt habe, war komplett anders als das Irisch im Alltag. Da habe ich kaum was verstanden. Zum Glück hatte ich einen Job in einem Restaurant. So habe ich dann wirklich Englisch gelernt samt unterschiedlicher Dialekte. 
 
Was war das für ein Restaurant in Irland?
 
Das war die Kantine eines Pharmaunternehmens. Da habe ich hauptsächlich als Barista gearbeitet.

 
Wie fiel dann irgendwann die Entscheidung für Weimar?
 
Nach zwei Jahren bin ich erstmal zurück nach Brasilien, wollte aber unbedingt meinen Master in Deutschland machen.
Ich hatte zunächst zwei Optionen, Köln oder Weimar. Und irgendwie hatte ich Lust auf eine kleine, übersichtliche Stadt. Und hier in Weimar gibt es viele Studiengänge, die auf Englisch angeboten werden. Das ist relativ einzigartig. Das hat mich dann bewogen, hierher zu kommen. Nicht zuletzt ist es natürlich auch immer eine finanzielle Entscheidung.



Am Anfang habe ich manchmal alles sehr persönlich genommen.


Wie war Dein Ankommen in Weimar?
 
Während meiner Zeit in Irland war ich dreimal in Berlin und dachte dann, ich weiß alles über Deutschland. Kenne ich schon. Als ich 2018 nach Weimar kam, bin ich dann eines Besseren belehrt worden, denn das Leben hier und die Mentalität sind schon sehr anders als in Berlin. Ich würde schon von einem Kulturschock reden, und ich habe ein völlig anderes Deutschland kennengelernt hier.
Am Anfang habe ich vieles sehr persönlich genommen. Viele ältere Menschen hier sprechen nicht so gut Englisch und werden dann etwas nervös, wenn ich sie nicht verstehe. Dann haben sie die Angewohnheit, einfach alles noch einmal lauter zu wiederholen. Das hörte sich für mich dann wie Schimpfen an, war es aber gar nicht. Das musste ich erstmal verstehen. Aber ich denke, meine Aufgabe ist, mich anzupassen und zu lernen. In der Brotklappe ist es sehr international, da funktioniert die Verständigung super, und ich habe mich dort schnell zuhause gefühlt.
Wie bist Du mit der Brotklappe in Kontakt gekommen?
 
Ich habe am Anfang in der Amalienstraße gewohnt, also unweit vom Frauenplan und die Brotklappe lag auf meinem täglichen Weg. Ich habe dort oft meinen Morgenkaffee getrunken. Zu der Zeit war ich Koch im ACC, was dann allerdings zeitlich mit meinem Studium mehr und mehr kollidierte. Ich hatte praktisch keine Freizeit mehr. Und dann erzählte mir ein Freund, dass die Brotklappe jemanden am Geschirrspüler sucht. Ein paar Tage später habe ich dann angefangen. Das klingt jetzt nach Rückschritt, aber für mich war das ein Weg Richtung mehr Zeit für mich.
 


Ich esse eigentlich gar kein Brot.
 
 
Warum bist Du eigentlich nicht Barista geworden in der Brotklappe, mit Deinen Erfahrungen aus Irland?
 
Mein Start in der Brotklappe war am 28. Oktober 2020, genau vor dem zweiten Lockdown. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Das heißt, es gab praktisch keine Gastronomie mehr und daher auch keinen Bedarf für einen Barista. Jetzt, wo es langsam wieder losgeht, könnte in der Richtung was möglich sein. Dazu gibt es auch Gespräche. Aber ich bin auch total happy mit meinen Stullen.

 
Wie hast Du das Brot empfunden in Weimar. Ist es sehr anders als in Brasilien?
 
Das ist eine lustige Geschichte. Ich esse eigentlich gar kein Brot und versuche, auf Kohlenhydrate zu verzichten so gut es geht. Als ich nach Weimar kam, lief meine Brotpause schon seit 2012 und, um ehrlich zu sein, vor zwei Monaten habe ich dann hier in der Brotklappe zum ersten Mal wieder ein Brot gegessen. Sebastian und Annika waren natürlich sehr stolz, dass ich mein Brotfasten ausgerechnet hier gebrochen habe. Trotzdem esse ich Backwaren eher sehr selten. Dafür trinke ich umso mehr Kaffee oder Tee.
 
Das Brot in Brasilien kann man sich wie ein Baguette vorstellen, nur etwas kleiner und wird French Bred genannt. Ansonsten ist auch Ciabatta sehr verbreitet. Die meisten Sachen hier in der Brotklappe hatte ich vorher noch nie gesehen.

Durch die Pandemie war ja Reisen nicht mehr ohne weiteres möglich. Wann hast Du Deine Familie zum letzten Mal gesehen?
 
Ich war nicht mehr zuhause, seit ich nach Deutschland gekommen bin, also seit 2018. 
 
Wow, das ist eine lange Zeit. Wie geht es weiter für Dich in Deinem Studium und Deinem Leben? Wie sehen Deine Pläne aus?
 
Wenn alles gut läuft, mache ich im März 2022 meinen Abschluss. Nebenbei absolviere ich einen Deutsch-Intensivkurs. Danach will ich auf jeden Fall in Deutschland bleiben, und es wird mich dahin verschlagen, wo ich einen guten Job finde. Regional habe ich da keine Präferenzen. Mir gefällt es überall. Aber bis nächstes Jahr bin ich hoffentlich noch hier in der Brotklappe.


 

Interview und Texte: Peter Schütz (info@peterfolk.de)
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