Brotklappe im Oktober

Liebe Freundinnen und Freunde der Brotklappe,

vor vielen hundert Jahren, in einer Zeit, die heute gemeinhin Mittelalter genannt wird, galt der Oktober als heiliger Monat, als Monat der Hochzeiten. Die großen Regentenvermählungen fanden immer im einst achten Monat des Jahres statt. Daher auch Okt-ober. Mittlerweile ist er etwas nach hinten gerutscht und hat sich zumindest den Ruf erhalten, im besten Falle ein goldener Monat zu sein.
Dem können wir nur zustimmen, denn für die Brotklappe gilt das unbedingt. Wir schauen voller Vorfreude auf bunte Spaziergänge, gemütliche Abende und auf bevorstehende Comebacks. Denn einige unserer Produkte haben sich in der Sommerpause gut erholt und liegen nun wieder runderneuert bei uns in der Vitrine.

Der Herbst wird auch eine Zeit des Reisens, zumindest für eine Auswahl unseres Sortiments. Mit unserem Partner Naturkost aus Erfurt ergibt sich nun die Möglichkeit, Brotklappenprodukte in ausgewählten Läden in ganz Thüringen, Sachsen-Anhalt und dem südlichen Sachsen zu präsentieren. Wenn Ihr also in Altenburg, Meiningen oder Naumburg wohnt und auf unser Brot nicht verzichten möchtet, meldet Euch oder nehmt Kontakt mit Bioläden vor Ort auf, vielleicht lässt sich da was organisieren.

Und wer schon immer wissen wollte, wo eigentlich unser Roggen herkommt, der folge unserer Spur zum Schloss Tonndorf. Dort arbeitet Christiane Schuler, zu der wir seit einiger Zeit eine innige Verbindung haben. Lernt sie kennen im Interview der Woche.

Genießt auf dem Weg dahin unsere Playlistdie auf jeden Fall richtig goldig geworden ist.

Euch allen einen guten Start in den Herbst und auf bald in der Brotklappe!
 
Zurück aus der Sommerpause!

Cardamom Bullar

Das skandinavische Gebäck mit dem typischem Aroma von Kardamom.
 


Bananenbrot mit neuer Rezeptur

Aus der langen Pause zurück: das Schoko-Bananenbrot! Mit viel Banane und noch mehr Schokolade!
 
 
Schoko Cookie

Unsere Cookies werden uns mit neuen Zutaten überraschen, man munkelt von Schoko-Cranberry, oder eine Versionen von Kardamom-Kaffee…
 
Hausgemachte Marmelade

Unsere leckeren Marmeladen wechseln mit dem Angebot der Saison wöchent- und monatlich. Das aktuelle Angebot könnt ihr immer in unseren Filialen nachfragen. Dazu gibt es auch Aufstriche oder Kräuterbutter.
 
Brotklappe jetzt auch in (fast) ganz Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen

Naturkost aus Erfurt liefert ab sofort eine feine Auswahl an Brot und Gebäck in Bioläden in ganz Thüringen, Sachsen-Anhalt und das südliche Sachsen. Wenn Ihr einen Laden vor Ort habt oder kennt und Interesse an unseren Produkten habt, dann meldet Euch gern unter vertrieb@brotklappe.de.
 
Unsere Songs des Monats Oktober!

Im Herbst wird Musik noch wichtiger: Als Wärmer, Erheller, Begleiter oder Wecker. Hier sind sie, unsere Songs des Monats Oktober.

 
 
 
Interview mit Christiana Schuler, Bäuerin aus Tonndorf

Schreibend, lesend, liebend, lebend in der Großstadt. So stellte sich Christiana Schuler ihr ideales Dasein vor, als sie sich einst für Geschichte und Philosophie in Berlin einschrieb. Heute teilt sie sich mit Anderen ihren Lebensraum rund um das Schloss Tonndorf und ist glücklich als Landwirtin, die ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit Verkauf an Stammkundschaft verdient. Wie es dazu kam, warum ihr Zuhause nun das Thüringer Land und keine Pariser Dachkammer geworden ist und was sie eigentlich mit der Brotklappe zu tun hat, das erzählt sie uns im Interview des Monats.
 

Wir haben bescheidenen Wohnraum, dafür aber sehr viel Lebensraum.
 

 
Christiana, Du wohnst in Tonndorf als Teil einer Genossenschaft, die das dortige Schloss bewohnt, es saniert und unter anderem Landwirtschaft betreibt. Wie kann man sich Dein Leben dort vorstellen?
 
Richtig, es gibt dort eine Genossenschaft, bestehend aus rund 30 Kindern und 30 Erwachsenen, die das Schloss gemeinschaftlich erworben hat. Die Zahlen variieren natürlich, denn hin und wieder gehen Leute weg und andere ziehen ein. Dazu kommen etwa 12 Hektar Außengelände mit Wiesen, Wald und Ackergelände, die wir pflegen und bearbeiten.
Ich bin, wenn man so will, die Bäuerin innerhalb der Genossenschaft.
 
Wie sieht das Zusammenwohnen dort konkret aus. Hat da jeder seine eigene Wohnung oder gibt es einen Schlafsaal?
 
Nein, es hat schon jeder sein eigenes Reich, allerdings klingt da Schloss auch größer als es ist. Sagen wir so, wir haben bescheidenen Wohnraum, ich bewohne eine kleine Wohnung mit meiner Tochter, dafür haben wir sehr viel Lebensraum und Platz, um uns zu entfalten.
 
Wie funktioniert das Zusammenleben in der Gemeinschaft?
 
Größere Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen. Es gibt dazu wöchentliche Besprechungen. Und, ganz wichtig, wir essen immer zusammen Mittag, jeden Tag um 12:30 Uhr unter der Hoflinde, wenn das Wetter mitmacht. 10 Minuten vorher schallt die Essensglocke, die auf jeden Fall nicht zu überhören ist.
 
Wie sieht Deine Arbeit in Tonndorf aus?
 
Ich bin vornehmlich Milchbäuerin und arbeite mit drei Milchkühen. Das ist also keine Großproduktion für Supermärkte oder Ähnliches. Ich verkaufe all meine Produkte, darunter neben Milch auch Käse oder Quark, direkt an Kunden im Umkreis von 5 Kilometern, also im wahrsten Sinne des Wortes regional. Ich liefere entweder aus oder verkaufe direkt hier im Hofladen. 

 
Du baust mittlerweile auch Getreide an, oder?
 
Ja, vor sechs Jahren hatte ich die Möglichkeit, Land zu kaufen, was heutzutage sehr teuer geworden ist, weil die Grundstückspreise so in die Höhe geschossen sind. Trotzdem, ich habe mir Geld geliehen von Freunden und Interessierten und losgelegt.
Heute baue ich hier Kleegras an, das ist gut für den Boden, dazu Kartoffeln, Weizen, Roggen und seit kurzem auch Hafer.
Vor ein paar Jahren habe ich ein Pferd geschenkt bekommen, das ich für Feldarbeiten einsetze. Mittlerweile sind es sogar zwei Pferde, und ich mache mit denen alles, was möglich ist, wie mit einem Traktor, der statt Diesel Heu und Wasser schluckt.
Das alles passiert in erster Linie zur Versorgung der Genossenschaft und so, dass es für meinen Lebensunterhalt reicht.

 

Ich bin hier Teil einer Welt, in der ich gerne leben möchte. Ich brauche keine Expansion.
 
 
Hast Du vor, das in Zukunft auszubauen, den Betrieb zu erweitern?
 
Die Frage höre ich sehr oft, vor allem von Männern (lacht). Also ganz ehrlich, das möchte ich nicht. Ich bin hier Teil einer Welt, in der ich gerne leben möchte, und ich habe den Luxus, eine Arbeit zu machen, bei der ich mich nicht ständig fragen muss, warum ich sie mache. 
Vor ein paar Jahren hatte ich mal vier Milchkühe und habe bald gemerkt, das ist eine zuviel. Drei sind besser. Da habe ich eine wieder abgeschafft. Alles ist so, wie es sein soll und wie ich es mit meiner Lebensqualität vereinbaren kann. Ich brauche keine Expansion.
 
 
Die Milch an die Haustür, der Hofladen, das Pferd auf dem Feld: Das klingt alles sehr oldschool und wirkt fast nostalgisch. Bist Du aus der Zeit gefallen?
 
Ja, das könnte man denken (lacht). Aber was auf den ersten Blick gestrig wirkt, ist keine Brauchtumspflege oder so was. Es ist in meinen Augen Teil einer Lösung für die Zukunft. Wir sehen, was die Globalisierung und Massenproduktion anrichtet. Ich glaube, der Schlüssel für eine gute Zukunft liegt in der regionalen Produktion. Das, was ich hier mache, hat durchaus Strahlkraft nach außen, und ich sehe mich auch als eine Art Testlabor für die regionale Landwirtschaft von morgen. Das hat durchaus Einfluss auf das Denken der Leute, die bei mir kaufen und meine Arbeit kennenlernen.

 
 

Bis ich 20 war, wollte ich Intellektuelle werden und in einer mit Büchern vollgestopften Dachkammer in Paris wohnen.
 
 

Die Landwirtschaft war aber nicht von Anfang an Dein Traumberuf, oder?
 
Nein, überhaupt nicht. Bis ich 20 war, wollte ich Intellektuelle werden und in einer mit Büchern vollgestopften Dachkammer in Paris wohnen. So war meine Traumvorstellung. Ich habe mich Berlin für Philosopie und Geschichte eingeschrieben und war überzeugt davon, dass ich Autorin werde, oder Kolumnistin, ein intellektuelles Sprachrohr. An Landwirtschaft hatte ich da überhaupt nicht gedacht.

 

Und wie kam die dann ins Spiel?
 
Ich habe vor meinem Studium auf einem Hof in England gearbeitet, so work-and-travel-mäßig. Das war totaler Zufall. Ich habe dort gemerkt, dass mir das voll gut tut. Das hat mein Leben nachhaltig verändert, auch meinen Blick auf das Stadtleben. Ich habe danach das Studienfach gewechselt und in Berlin Landwirtschaft studiert. Entscheidend war später die Arbeit mit Kühen in den Schweizer Bergen, wo ich Einblick in die Milchverarbeitung gewonnen habe. Von da an war ich angefixt. Ich habe dann noch eine Weile in Berlin gewohnt aber gespürt, ich muss aufs Land. Mir fehlte nur noch die rechte Idee und der Moment des Absprungs.
 
 
Was hast Du gemerkt, jetzt ist es soweit?
 
Ich war immer mal wieder in Tonndorf bei Freunden und habe mich da sehr wohlgefühlt. Und eines Tages ergab sich die Möglichkeit, dort unbewirtschaftete Wiesen zu pachten. Da war ich bereit. Ich habe drei Kühe gekauft, bin nach Tonndorf gezogen und war plötzlich Bäuerin. Da war ich so um die 30. Ich wusste mit einem Mal, das Stadtleben ist vorbei.
 

 
Das war das erste und einzige Mal, dass ich eine sogenannte „Kaltakquise“ unternommen habe.
 

 
Nun produzierst Du neben Milch auch Getreide. Insbesondere Dein Roggen wird nun in der Brotklappe verarbeitet. Wie kam es dazu?
 
Das war das erste und einzige Mal, dass ich eine sogenannte „Kaltakquise“ unternommen habe (lacht etwas länger an dieser Stelle). Ich hatte einige Tonnen Roggen übrig und überlegt, was mache damit. Vielleicht kann die Brotklappe das gebrauchen, dachte ich. Ich habe mir dann die Nummer auf der Webseite rausgesucht, einfach angerufen und jemanden an der Verkaufstheke erwischt. Sebastian (Lück, Betreiber der Brotklappe A.d.R.) war zufällig in der Nähe und meinte, ja bring mal einen Sack vorbei zum Testen. Das war eine günstige Fügung, denn Sebastian war sowieso auf der Suche nach neuen Getreideanbieterm und fand meinen Roggen super. So kamen wir ins Geschäft. Ein Fünfer im Lotto.
 
Wie sieht nun die Zusammenarbeit konkret aus?
 
Man muss wissen, dass eine landwirtschaftliche Planung ganz anders verläuft, als die einer Bäckerei. Der Anbau beginnt ja ein Jahr bevor der Roggen zu Brot verarbeitet wird. Da kommt es auch auf die Umweltbedingungen an. Das heißt, wir müssen da gemeinsam längerfristig denken und haben, glaube ich, beide sehr viel gelernt dabei. Wir erleben auch immer wieder Überraschungen. Zum Beispiel war es in diesem Jahr sehr feucht und unser Roggen war an der Ähre schon ausgekeimt. Das führt dazu, dass die Roggenkörner nur im Ganzen zu verarbeiten sind, diesmal zum Beispiel im Delikatessbrot. Somit kommt am Ende ein anderes Brot raus als nach trockeneren Ernten, nach denen der Roggen viel feiner zu verarbeiten ist. Das ist nicht immer genau planbar und da muss man als Bäcker spontan und einfallsreich sein. 
Was ist das Besondere am Roggen, was macht ihn speziell?
 
Der Roggen hat viele Vorteile: Er ist super für den Boden und gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse. Außerdem enthält er viel weniger Gluten als Weizen und ist dadurch bekömmlicher.

Was sind Deine Pläne für die nächste Zeit?
 
Ich habe mich schon gefragt am Anfang: Was will ich erreichen? Und das hat in erster Linie nichts mit materiellem Reichtum oder der Größe des Unternehmens zu tun. Ich will ein gutes Leben für alle, die mit meiner Landwirtschaft zu tun haben, die Kühe, die Pflanzen, die Insekten, die 
Leute, die ich beliefere. Vielleicht versuche ich, noch ein bisschen mehr Land zu erwerben, um alte Sorten Roggen anzubauen. Langweilig wird mir auf jeden Fall nicht. Es sind ständig neue Probleme zu lösen: Der Humusgehalt des Bodens, Trockenheit, Nässe, Insektenanteil. Jeden Tag stehst du vor einem anderen Problem. Aber genau das mag ich. Und ich habe Verantwortung für 25 Haushalte, die jeden Tag von mir Milch und anderes bekommen. 

Letzte Frage: Was ist Dein Lieblingsprodukt der Brotklappe?

Ich mag ja schon gern Süßes. Wenn ich an der Brotklappe vorbei komme, dann nehme ich mir auf jeden Fall Zimtknuts für den Nachmittagskaffee mit.



Alle Texte und Interview: Peter Folk, info@peterfolk.de
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