Brotklappe im August

Liebe Freundinnen und Freunde der Brotklappe,

der Juli ist vorbei, die Tage werden kürzer und an den Abenden liegt nun schon eine Spur Herbst in der Luft. Ok, kaum zu spüren und nur ein ganz kleiner Hauch, den vor allem die Wetterfühligen spüren können, aber messbar. 
Doch der Sommer ist noch in vollem Gange und viele zieht es in den Urlaub. So wird auch uns in nächster Zeit der eine oder andere Mitarbeiter fehlen und auch einige Produkte haben wir in die verdiente Sommerpause verabschiedet, wie einst die berühmte Piemont-Kirsche. Die Älteren unter uns werden sich erinnern.
Die gute Nachricht: Die Brotklappe hat sowohl am Frauenplan, als auch in der Trierer Straße durchgehend geöffnet. Es kann weiter gefrühstückt, pausiert und geschlemmt werden. Wir freuen uns auf Euch. 

In diesem Newsletter geben wir Euch erstmals einen kleinen Einblick in unser Projekt "Biomilch kann mehr!", das das Zeug zu einem Lebenswerk haben könnte. Mittendrin: Unser Bäcker Ture, Multitalent, Teigvirtuose und Nordlicht, der manchmal, aber nur manchmal, dem Studentenleben hinterher trauert und nun mit Käse und Quark experimentiert. Was genau sich dahinter verbirgt und warum man nicht immer seinem erfolgreichen Vater nacheifern muss, erzählt er uns im Interview des Monats.

Und natürlich gibt es wieder unsere Playlist, die diesmal besonders gut gelungen ist. Wirklich.

Euch allen weiterhin einen schönen Sommer und auf bald in der Brotklappe!

 
 
Neu Stullen im August


Brie Vollkorn Stulle

Unser aromatisches Vollkornbrot wird belegt mit einem Camembert aus Tirol "Bio-Gold" und eingelegter Paprika.
 


Blumenkohl Paté Stulle

Auf unser Klappenkastenbrot kommt ein aromatisches Blumenkohl Paté mit gebranntem Lauch und einem kräftigen Balsamico Glace.
 
 
Biomilch kann mehr!

Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns mit nachhaltiger Milcherzeugung und werden irgendwann, in hoffentlich naher Zukunft, eigene Milchprodukte herstellen. Hier schon einmal ein kleiner Einblick in ein Projekt im Werden.
 

Eine Umwelt- und klimagerechte Landwirtschaft… Das ist uns sehr wichtig.
Seit Herbst 2020 stehen wir in engem Kontakt mit dem Landgut Weimar, welches seinen Betrieb auf Bio umstellt. Zusammen haben wir ( Landgut Weimar Bio GmbH, die Brotklappe & Gäa e.V. Vereinigung ökologischer Landbau) ein Projekt auf die Beine gestellt, welches vor allem ein Ziel im Fokus hat: den Aufbau einer nachhaltigen Wertschöpfungskette in der Milchverarbeitung auf lokaler Ebene.

Unsere Aufgabe als Brotklappe in diesem Projekt „Biomilch kann mehr!“ ist es, aus dem Rohmaterial Milch ein hochwertiges Produkt herzustellen, damit der Milchpreis vom Stall bestimmt werden kann, das Tierwohl im Mittelpunkt steht und der Landwirt mit einem Gewinn wirtschaften kann.

Wir testen uns langsam heran, selbst Produkte wie Joghurt, Butter und Käse herzustellen.
Ein mittelfristiges Ziel ist es, eine mögliche Produktpalette zu kreieren, die in der Zukunft in einer eigenen Molkerei produziert werden kann.

We’ll keep you updated !


Hier ein kurzer filmischer Einblick -->

 


Die Röstbrüder sind da!

Ab sofort kommt unser Kaffee komplett von den Röstbrüdern aus der Wagnerstraße. Nachdem wir schon seit fast einem Jahr den Kaffee von Collin und Vincent in der Trierer Straße servieren, tun wir das nun auch am Frauenplan.

Lets start us 
with the coffee from the brothers
(from different mothers)!


www.roestbrueder.de
 
Unsere Songs des Monats August!

Die Sonne scheint aus Kopfhörern und Bluetooth-Boxen: Unsere Klappensongs für den Monat August in einer frischgebackenen Playlist. Die Heiß-Kalt-Musikdusche für das perfekte Immunsystem.

 
 
 
Interview mit Ture Knoblauch, Bäcker in der Brotklappe
Er ist erst zarte 24 Jahre alt, doch nach drei Jahren in der Brotklappe schon ein regelrechtes Urgestein in der Backstube. Dort hat es Ture bereits zum Backstubenleiter gebracht und beschäftigt sich mittlerweile auch mit der Käseherstellung.
Dabei war dieser Weg eigentlich gar nicht vorgezeichnet für den gebürtigen Hamburger, dessen Vater eine nicht unbedeutende Rolle in der deutschen Medienlandschaft spielt und der sich zunächst eher für Architektur und Bauwesen interessierte. Doch wie es manchmal so ist, Gelegenheiten lassen ungeahnte Leidenschaften hervorbrechen und Ture ist offen und experimentierfreudig genug, Türen zu durchschreiten, die sich für ihn rein zufällig öffnen. Er bleibt im Moment und macht das Beste draus. Zum Beispiel das Doppel-Mischbrot, das er mitentwickelt hat. Warum er dennoch lieber in der zweiten Reihe bleibt und welchen Sinneswandel die Brotklappe in ihm ausgelöst hat, erzählt er uns im Interview des Monats.
 
Ture, Du bist gebürtiger Hamburger. Wie hat es Dich nach Weimar verschlagen?
 
Ich bin 2016 nach Weimar gekommen und habe zunächst Baumanagement studiert. Allerdings hatte ich eine völlig falsche Vorstellung von diesem Studiengang. Ich war schon interessiert an Architektur und auch Stadtplanung. Doch Baumanagement war dann doch ziemlich trocken und eher auf Betriebswirtschaft und Mathematik fokussiert. Da habe ich schnell das Interesse verloren.



Ich hatte eigentlich nie die Idee, einen handwerklichen Beruf zu lernen. Ich konnte ich mir einfach nicht vorstellen, nicht zu studieren.


Wieso hast Du nicht gleich Architektur studiert?
 
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht fehlte mir dafür das Selbstbewusstsein. Der Architekt steht ja beim Bau oft im Fokus, und ich dachte, ich könnte mich als Baumanager aus der zweiten Reihe einbringen. Ich stehe eher ungern im Vordergrund. Aber insgesamt finde ich die Baubranche immer noch sehr faszinierend.
 
Du hast also schnell gemerkt, dass das Studium nicht das richtige für Dich ist. Wie ging es dann weiter?
 
Zuerst habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, und wollte es durchziehen, allerdings lief das mehr schlecht als recht. Bis 2018 schleppte ich mich durch, bevor ich eingesehen habe, dass es keinen Sinn macht. Danach habe ich mich bei der Urbanistik beworben, bin aber abgelehnt worden. Schließlich schrieb ich mich in Jena im Fach Geografie ein. Zu dieser Zeit konnte ich mir einfach noch nicht vorstellen, nicht zu studieren. Das musste einfach sein. Alle meine Freunde haben irgendwas studiert. Ich hatte eigentlich nie die Idee, einen handwerklichen Beruf zu lernen.
 
Das hat sich mittlerweile geändert. Wie bist Du in die Brotklappe gekommen?
 
2018 startete ich neben dem Studium mit einem Freund so ein kleines Taco-Geschäft. Wir haben selbst den Teig hergestellt und unsere Sachen dann bei Uni-Events wie dem Seifenkistenrennen verkauft. Er hat dann eine Job-Ausschreibung der Brotklappe gesehen und sich beworben. Kurze Zeit später hat er auch mich überredet, dort einzusteigen. Dafür bin ich ihm immer noch sehr dankbar.

Wie ging es mit Deinem Studium weiter?
 
Ich habe schon 2018 Vollzeit in der Brotklappe gearbeitet. Dadurch hatte sich das Baumanagement-Studium quasi erledigt. Ende 2018 begann bereits in Jena ein Geografie-Studium. Das war allerdings eher ein Illusion. Wie gesagt die Idee vom Studium hat mich nicht losgelassen.

 
Man kann sagen, dass der Nebenjob in der Brotklappe bei mir zur Passion geworden ist und die Studiumsidee nach und nach verflogen ist.


Mittlerweile schon?
 
Erstmal ja. Man kann sagen, dass der Nebenjob in der Brotklappe bei mir zur Passion geworden ist und die Studiumsidee nach und nach verflogen ist. Vielleicht noch nicht ganz. Irgendetwas in mir klammert sich noch daran (lacht). Sebastian Lück hatte mir Ende 2018 einen Ausbildungsplatz zum Bäcker angeboten. Das habe ich auch angefangen, aber bei mir gab es nie die Motivation in die eher freudlose Berufsschule zu gehen, um Theorie zu pauken. Es ist hier also alles Learning by doing.
 
Hast Du trotzdem den Plan, einen Abschluss zu machen?
 
Auf jeden Fall. Nach 4,5 Jahren Berufserfahrung kann ich den Gesellenbrief machen. Das ist mein Ziel, auch wenn ich mich dafür dann nochmal auf den Hosenboden setzen muss.
 


Mein Vater hat uns oft mitgenommen zu Premieren oder sonstigen offiziellen Anlässen, aber die Medienbranche wirkt auf mich schon sehr aufgesetzt und abgehoben.


Du kommst ja aus einer eher medienaffinen Familie. Dein Vater ist Geschäftsführer des Studio Hamburg. Hattest Du nie Lust in diesem Bereich zu arbeiten?

Das kam für mich nicht infrage. Mein Vater hat uns oft mitgenommen zu Premieren oder sonstigen offiziellen Anlässen. Ich fand das auch ganz lustig zum Teil, aber die Medienbranche wirkt auf mich schon sehr aufgesetzt und abgehoben. Da geht es viel um Sein und Schein und, wie gesagt, ich spiele mich nicht gern in den Vordergrund. Da sind wir wieder bei der vorhin angesprochenen zweiten Reihe. Darüber hinaus gab es auch keinen Bereich, der mich interessieren würde. Ich habe mich damals schon eher mit Architektur beschäftigt. 
 
Wie hat Deine Familie auf Deine Bäcker-Pläne reagiert?
 
Die waren schon überrascht. Wahrscheinlich auch erstmal nicht sonderlich begeistert. Aber sie haben mich schon einige Male in Weimar in der Brotklappe besucht und gesehen, dass ich das Backen mit Leidenschaft mache, und ich denke, das ist für sie das Wichtigste.
Seit ein paar Monaten bist Du Teil des Projekts „Biomilch kann mehr!“ Hier betritt die Brotklappe ziemliches Neuland. Was verbirgt sich hinter dem Projekt?
 
Die Grundidee ist die Schaffung einer nachhaltigen Produktionskette von Milchprodukten. Wir arbeiten dabei mit einem Milchproduzenten aus Holzdorf zusammen, der im Moment auf Bio umstellt. Das sollte Ende des Jahres geschafft sei. Es geht dabei im angemessene Milchpreise für den Landwirt, also Unabhängigkeit von großen Molkereien und Supermarktketten, die den Preis drücken, bestmögliches Tierwohl und natürlich hohe Qualität. 
Das Ganze ist sehr aufwändig und auf mehrere Jahre angelegt. Die Brotklappe will dabei als Vermarkter und Weiterarbeiter fungieren. Es sind in Zukunft neben den Teigwaren auch Milchprodukte in Planung wie Quark, Joghurt oder Butter.
 

Ich bin hier noch lange nicht fertig und gehe total auf in den neuen Projekten und will sie auch zu Ende führen.

 
Was ist Dein Part in diesem Projekt?
 
Ich teste Milchprodukte, die ich einer Experimentierküche herstelle, wie Joghurt, Butter oder auch Käse. Dabei arbeite ich mit natürlichen Startkulturen wie Milchkefir. Das ist so etwas wie das Pendant zum Sauerteig in der Brotherstellung.
Die Produkte sind aber noch nicht für den Verkauf bestimmt. Dafür müssen noch hygiensche Voraussetzungen geschaffen werden zum Beispiel, und mir stehen einige Kurse bevor.


Du hast also noch einiges vor in der Brotklappe?
 
Absolut. Ich bin jetzt Backstubenleiter eines Teams mit 8 Bäckern, probiere meine Milchprodukte aus, will den Gesellenbrief machen. Ich bin hier also noch lange nicht fertig und gehe total auf in den neuen Projekten und will sie auch zu Ende führen.


Und was kommt dann?
 
So weit schaue ich noch nicht in die Zukunft. Vielleicht studiere ich am Ende ja doch noch.



Alle Texte und Interview: Peter Folk, info@peterfolk.de

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